Wir sind umgezogen

16. Mai 2008 by pjebsen

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Picknick im Palmen-Park

2. Mai 2008 by pjebsen

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Hamburg - Freizeit & Sightseeing - Parks

Mit sportlichem Radeln reicht selbst eine halbstündige Pause für ein mittägliches Picknick an meinem Lieblings-Ausflugsziel im Hamburger Hafen.

Von den beiden Plattformen auf dem Restaurant River-Kasematten und auf der Turnhalle am Pinnasberg hat man einen schönen Blick auf Dock 10 und 11 der Blohm- & Voss-Werft.

Die künstlichen Palmen gehören zum 1500 Quadratmeter großen Antoni-Park des Kunstprojekts Park Fiction, der 2005 neben der Wohnanlage Park-Haus am Pinnasberg entstand (hier sind Artikel aus der WELT und Hinz und Kunzt).

Bei Sonnenschein ist der Park oft recht voll, nebenan auf dem Dach der River-Kasematten ist dann meist mehr Platz.

Dieser sehenswerte Ort ist über Pinnasberg und Bernhard-Nocht-Straße zu erreichen, oder per Treppe am Golden Pudel Club vorbei von Sankt Pauli Hafenstraße/Sankt Pauli Fischmarkt aus. Die Buslinie 112 hält genau davor (Haltestelle Hafentreppe).

Mein Beitrag zu Park Fiction - Ich bin PJebsen - auf Qype

Kinoprovinz Hamburg

30. April 2008 by pjebsen

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Hamburg - Nachtleben - Kinos

So schön das Filmfest Hamburg und das Fantasy Filmfest mit ihren Originalfassungen sind: Seit dem 27. März 2008, als der Grindel UFA Palast geschlossen wurde, ist Hamburg endgültig düsterste Kinoprovinz.

Wie die Originalfassungs-Übersicht des vortrefflichen Kino-Fahrplans Hamburg zeigt, gibt es noch keinen Ersatz fürs Grindel-UFA (das ja seinerzeit selbst nur fürs geschlossene City-Kino in die Bresche sprang, ein paar Infos stehen hier). Derzeit laufen nur die üblichen „kleineren“ Filme in den üblichen Programmkinos, wo sie schon immer zu sehen waren. „Größere“ Filme werden nur noch verstümmelt gezeigt, also mit deutscher Synchronisierung.

Im ewigen Zweikampf Hamburg vs. Berlin, wie ihn Qype-Mitarbeiter Sven Dietrich in seinem unterhaltsamen Blog pop24.de thematisiert, gebührt Hamburg daher ein Riesen-Minuspunkt. Denn an der Spree gibt es unter anderem das Cinestar SonyCenter mit acht großen, modern ausgestatteten Sälen, in denen fast ausschließlich Hollywood-Blockbuster mit den unverfälschten Stimmen der Schauspieler genossen werden können. Einer meiner absoluten Berliner Lieblingsplätze!

Allein morgen (Donnerstag, 1. Mai) sind dort folgende Filme zu sehen: „21“, „Vantage Point“, „ Be Kind Rewind“, „Wedding Daze“, „Charlie Wilson’s War“, „The Red Baron“, „The Savages“, „The Other Boleyn Girl”, “Fool’s Gold”, “Horton Hears a Who”, “Iron Man”, “Jumper”, “Juno”, “Michael Clayton”, “No Country for Old Men”, “Outsourced”, “Shine a Light”, “Street Kings”, “There will be Blood”, “Before the Devil Knows You’re Dead”, “Untraceable”.

Das sind fast alles Filme, deren Originalversionen dem Hamburger Publikum vorenthalten bleiben. Der Hamburger muss halt wie die Einwohner anderer Provinzstädte auf die DVD-Veröffentlichung warten.

Mein Beitrag zu Kinoprovinz Hamburg - Ich bin PJebsen - auf Qype

Baltic Soul Weekender 2008: So war’s

30. April 2008 by pjebsen

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Wangels - Kunst & Kultur - Musik

Der zweite Baltic Soul Weekender (Freitag, 25. April, bis Sonntag, 27. April) hat den ersten im März 2007 noch übertroffen. Und das teilweise ohne Zutun der Organisatoren: Während einem im vergangenen Jahr an der Ostsee eisige Winde um die Nase pfiffen, dominierten am vergangenen Wochenende sonnige Temperaturen um die 20 Grad. Da lohnte es sich sogar, am Weißenhäuser Strand während der wenigen Weekender-Pausen einen Strandkorb zu mieten.

Ansonsten war es wieder ein wahres Funk- und Soul-Fest. Einer der besonderen Höhepunkte war wie im vergangenen Jahr der Auftritt der Soul-Veteranin Ann Sexton (58). So bitter ihre ca. 30-jährige Konzertpause für sie persönlich gewesen sein mag: Die Bühnenabstinenz ist ihrer Stimme offenbar gut bekommen. Sie klingt so jung, so frisch wie auf ihren ’70er-Jahre-Singles. Sinnlicher Soul-Schmelz vom Feinsten!

Mit gnadenlosen Grooves und wummerndem Funk-Bass zelebrierte die seit knapp 40 Jahren bestehende Fatback Band ihren allerersten Auftritt in Deutschland. Die lokalen Fans feierten mit, 20 davon ließen sich auf der Bühne die Tanzschritte des Fatback-Hits „(Are You Ready) Do the Bus Stop“ beibringen.

Fatback Band at Baltic Soul Weekender

Die Temptations warteten mit einem „Neuling“ auf, Frontmann Richard Street ist nämlich „erst“ seit 1971 dabei. Heute ist er aber das dienstälteste Mitglied des Quintetts, das beim Weekender nur zu viert auftrat - „der Depp hat den Flieger verpasst,“ meinte Street über den fehlenden Kollegen. Sie präsentierten ihre Klassiker (plus, zur Freude der anwesenden P-Funk-Fans, George Clintons „Atomic Dog“) sehr showlastig, im Las-Vegas-Stil.

Alexander O’Neal ließ lang auf sich warten und improvisierte größtenteils einfach drauflos („Ich nehme das alles nicht so ernst – ist ja keine Gehirnchirurgie!“). Die magischste halbe Stunde des Weekenders begann am Sonntag gegen drei Uhr morgens. Da stürmte ein Großteil der restlichen Live-Acts die Bühne und legte mit O’Neal eine unglaubliche Funk-Jam-Session hin, von Sly Stone bis P-Funk.

Die wahren Helden waren für mich die Herren und Damen des eigens fürs Festival zusammengestellten Baltic Soul Orchestra, die einen Großteil der Weekender-Künstler extrem kompetent, aufmerksam und improvisationsfreudig begleiteten. Ein englischer Blogger hat nachgezählt: Die Herren und Damen um Schlagzeuger und „Musical Director“ Andrew McGuinness haben fürs Wochenende insgesamt rund 70 Songs gespielt!

Und das teilweise ohne große Vorbereitung – als Andrew auf dem Weg von einer Bühne zur nächsten an uns vorbeieilte, erzählte er, die Temptations habe er erst am Nachmittag vorm Auftritt zum ersten Mal getroffen. Man hörte es nicht – von Anfang bis Ende eine Spitzenleistung!

Wer die bisherigen Weekender verpasst hat, der hat 2009 eine weitere Chance: Das dritte Ostseefestival findet vom 24. bis 26. April 2009 statt.

Tipp für anreisende Paare: Die Ein-Zimmer-Ferienwohnungen für zwei Personen haben unglaublich dämlich (nämlich L-förmig) angeordnete Betten, die man nicht zusammenschieben kann. Echte Doppelbetten gibt es nur in den Hotelzimmern und den größeren Ferienwohnungen.

Ursprünglicher Qype-Beitrag vom 22. 10. 2007: Ich habe gerade gesehen, dass der Termin fur den zweiten Baltic Soul Weekender festzustehen scheint: Freitag, 25. April, bis Sonntag, 27. April 2008.

Der erste Weekender fand im März 2007 im Ostsee-Ferienpark Weißenhäuser Strand statt – absolut großartig!

Der Preis fürs komplette Wochenende (ab 99 Euro pro Person) beinhaltete die Übernachtung und alle Club-Events, die im Ferienpark liefen. In vier Sälen traten 15 Live-Acts und über 50 DJs auf, die Soul, Funk & Co. auflegten.

Meine persönlichen Live-Favoriten waren der wunderbare Roy Ayers sowie Soul-Veteranin Ann Sexton, die nach Jahrzehnten Pause ein fulminantes Comeback feierte.

Ebenfalls dabei: Marva Whitney, Joy Denalane, Carl Keaton Jr., Omar, Charme-Bolzen Junior Giscombe (“Mama Used to Say”), Erobique, Jeff Hendrick, James Kakande und Ngone.

Unter den DJs sind vor allem Mousse T., Smudo (Die Fantastischen Vier), Boris Dlugosch, Disco Boys und Hans Nieswandt hervorzuheben.

In den Hotelzimmern lief das Baltic-Soul-Radio; und wer dann doch mal kurz pausieren wollte, konnte auf dem Ostseestrand spazieren gehen oder im Hallenbad des Ostseeparks planschen. Das Wochenende des Jahres!

Mein Beitrag zu Baltic Soul Weekender - Ich bin PJebsen - auf Qype

Udo Lindenberg: “Stark wie Zwei”

29. März 2008 by pjebsen

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Hamburg

Lieber Udo,

wir kennen uns schon ziemlich lang. Als ich mit 16 bei der Lokalzeitung meiner Heimatstadt schreibend und fotografierend mein Taschengeld aufbesserte, warst du einer der ersten Musiker, die ich interviewte.

Seitdem haben wir uns teilweise im Jahrestakt für weitere Interviews getroffen. Und ich bin dir seitdem in kritischer Sympathie verbunden, auch wenn ich irgendwann mal nicht mehr wie früher jedem deiner neuen Tonträger entgegengefiebert habe. Und auch wenn mich manchmal störte, dass du bei TV-Auftritten und in Interviews quasi per Autopilot als Udo-Lindenberg-Darsteller nur noch die immer gleichen Worthülsen von dir zu geben schienst.

Doch dann gab es immer wieder Momente, in denen klar wurde, dass man weiterhin mit dir rechnen muss. Zum Beispiel im Jahr 2000 bei einem grandiosen Konzert im Hamburger Schauspielhaus, bei dem du zusammen mit dem Panik- und dem Filmorchester Babelsberg Rock’n’Roll-Fetzer und deutsches Liedgut von Bertolt Brecht bis Kurt Tucholsky mischtest.

Du zeigtest, dass du das Zeug zum großen zeitgenössischen deutschen Entertainer hast. Also das, was Harald Juhnke gern gewesen wäre und was der andere Udo (der Jürgens) nie sein wird, da er sich musikalisch nie wesentlich weiterentwickelt hat.

Großartig fand ich auch 2004 das Konzert in der Hamburger AOL-Arena, das unter dem Motto „Aufmarsch der Giganten“ das 30-jährige Bestehen des Panikorchesters feierte. Du warst besser bei Stimme als bei manchen deiner Konzerte vergangener Jahrzehnte; und die Panik-Jubilare zeigten, dass sie immer noch eine der frischsten, vielseitigsten und kompetentesten Live-Bands der deutschen Rockszene sind.

Zuletzt sahen wir uns im Oktober 2007 in der Axel Springer Passage, anlässlich einer Vernissage mit Lindi-Gemälden, -Zeichnungen, -Likörellen und -Stasi-Akten, inklusive Live-Auftritt mit dem Panikorchester. Dort gab es eine interessante kreative Fortsetzung deines musikalischen Schaffenstums zu sehen (hier sind Fotos vom Konzert und den Akten).

Warum ich so weit aushole? Weil ich am Samstag nach deinem „Wetten dass..?“-Auftritt zum ersten Mal mit großer Freude dein neues, am Freitag (28. März 200 8) erschienenes Album „Stark wie zwei“ gehört habe. Und weil ich offenbar nicht der einzige bin, der sich freut: Im Moment ist die CD bei Amazon der meistverkaufte Tonträger, und die Download-Version (die es erfreulicherweise mit PDF-Booklet gibt!) die bei iTunes am häufigsten heruntergeladene.

Und das mit Recht, denn du hast mal wieder ein starkes Stück zustande gebracht. Die Single „Wenn du durchhängst“ ist ein typischer Lindenberg-Balladen-Ohrwurm; „Ganz anders“ ein weiteres Duett mit Jan Delay (der dir in seinem Songtext folgende schöne Zeile in den Mund legt: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu!“); „Nasses Gold“ ein vortrefflicher Beitrag zu einem Thema, das du vorher im Song „Unterm Säufermond“ besonders gut betextet hast; „Der Deal“ eine rockige Kollaboration mit Silbermond.

Mein absoluter Favorit ist jedoch der Gaga-Song „Chubby Checker“, produziert von Helge Schneider, der zudem sämtliche Instrumente spielt. Herrlich! (Helge Schneider ist ja auch ein besserer Udo-Lindenberg-Darsteller, als du es manchmal warst – der Song „Pinguine können nicht fliegen“ vom Album „I Brake Together“, in dem Helge Schneider im Alleingang ein Duett mit „dir“ singt, ist einer der komischsten Schneider-Songs aller Zeiten und für mich auch eine Hommage an dich.)

Fazit: „Stark wie zwei“ ist kein Comeback-Album, weil du ja nie wirklich weg vom Fenster warst. Aber es ist ein so frisches, junges und gleichzeitig weises Werk, wie ich es dir spätestens seit den Aha-Erlebnissen im Schauspielhaus und in der AOL-Arena gewünscht habe.

Du bringst es mit deinen 61 Jahren in einem der neuen Songtitel mit hübscher Selbstironie am besten auf den Punkt: „Der Greis ist heiß!“

Mein Beitrag zu Udo Lindenberg - Ich bin PJebsen - auf Qype

emusic - das bessere iTunes

6. März 2008 by pjebsen

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London - Shopping - Musik, Video & Games

Vergesst die Musicloads und Napsters dieser Welt mit ihren merkwürdigen Mietangeboten, ihren proprietären Programmen und ihrem kundenunfreundlichen Kopierschutz!

Wer sich für Musik abseits der so genannten „Major Labels“ interessiert, dem empfehle ich den (legalen!) Download-Dienst emusic. In den USA ist diese Firma die Nummer zwei, gleich hinter iTunes.

emusic hat ca. zwei Millionen Songs von rund 13.000 unabhängigen Labels im Angebot. Zu günstigeren Preisen als bei allen anderen mir bekannten legalen Download-Diensten, und zudem noch in besserer Qualität als z. B. bei iTunes (emusic-Songs haben normalerweise eine Datenrate zwischen 175 und 227 kBit/s – Standard-iTunes-Dateien: magere 128 kBit/s).

Das Sympathischste an emusic: Die Firma vertraut ihrer Kundschaft. Anstatt den zahlenden Käufern mit hauseigenen Abspielprogrammen und undurchsichtigen Lizenzbedingungen Stolpersteine in den Weg vom Herunterladen zum Abspielen zu legen, vertreibt emusic all seine Songs – haltet euch fest – ohne jeden Kopierschutz! Also als ganz normale MP3-Dateien, die von allen MP3-fähigen Abspielgeräten ohne jede Probleme wiedergegeben werden können.

Und als ob das noch nicht genug wäre: Anders als z. B. bei iTunes kann man bei emusic alle gekauften Songs mehrmals herunterladen. Auf der emusic-Website klickt man auf „Your Profile“ und „Downloads“, und schon hat man eine Übersicht aller gekauften Songs, die man – solange man Kunde ist – erneut herunterladen kann (sofern sie noch im Angebot sind).

Europäische Kunden haben derzeit die Wahl zwischen drei Preismodellen:
- 30 Songs pro Monat für €12.99 (43 Cent pro Song)
- 50 Songs pro Monat für €16.99 (34 Cent pro Song)
- 75 Songs pro Monat für €20.99 (28 Cent pro Song)

Auch wenn das Angebot von emusic derzeit „nur“ unabhängige Labels umfasst (was sich im Lauf dieses Jahres ändern soll), findet man dort Songs u. a. von folgenden bekannteren Künstlern und Bands:

Adele, Albert King, Angelique Kidjo, Aretha Franklin, Art Neville, Balkan Beat Box, Bernie Worrell, Creedence Clearwater Revival, Dolly Parton, Dr. John, George Clinton, Frank Zappa, Funkadelic, John Fogerty, Johnny Cash, Lee “Scratch” Perry, Maceo Parker, Marvin Gaye, Mavis Staples, Parliament, Paul McCartney, Public Enemy, Stevie Ray Vaughan, The Black Crowes, Tim Fischer.

Zu vielen Künstlern und Alben gibt es hilfreiche Artikel und Besprechungen von allmusic.com sowie wirklich sinnvolle Verweise auf ähnliche Musik. Hervorragend sind auch die redaktionellen Inhalte, etwa „The emusic Dozen“, in denen Experten für viele wichtige Genres zwölf Empfehlungen aussprechen.

Tipp: Wenn man die Startseite als Nichtkunde betritt, versucht emusic ziemlich hartnäckig, einem ein Probeabo zu verkaufen. Diese Seite kann man überspringen, indem man auf einen der Links ganz unten auf der Homepage klickt. Auf der Seite, auf der man dann landet, kann man z. B. über die obere Suchmaske die Website erkunden.

Ich sollte hinzufügen, dass das Probeabo uneingeschränkt empfehlenswert ist. Man kann innerhalb von zwei Wochen 50 Songs kostenlos herunterladen. Man muss zwar seine Kreditkartennummer angeben; aber wenn man innerhalb der Probezeit das Abo wieder kündigt, wird nichts abgebucht. (Mich hat der Test vor zweieinhalb Jahren überzeugt. Seitdem bin ich ein äußerst zufriedener zahlender Kunde und lade auf der Grundlage eines älteren Preismodells monatlich 90 Songs herunter.)

Mein Beitrag zu emusic Europe - Ich bin PJebsen - auf Qype

Geschwister Hofmann in Laichingen

25. Februar 2008 by pjebsen

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Ich sehe mich selbst nicht als über die Maßen mutig an, aber die meisten meiner Ängste kann ich überwinden. Ich habe Hühnerfüße abgenagt, ich bin in einem Hochseilgarten in gefühlten zehn Metern Höhe freihändig über schwankende Planken gerannt, ich habe mich für Luftaufnahmen aus einem Helikopter mit ausgehängter Tür gelehnt, und ich bin nachts an brennenden Mülltonnen vorbei durch Harlem geschlendert, nachdem ich mir am Vorabend in der Lower East Side schon von Straßenräubern einen Messerstich ins Knie eingefangen hatte.

Doch kürzlich hatte ich zum ersten Mal ernsthaft Angst vor der eigenen Courage. Ich hatte bei TwoTickets.de zwei Eintrittskarten für ein Konzert des volkstümlichen Schlagerduos Geschwister Hofmann im CCH Hamburg gewonnen. Einem Anflug temporären Wahnsinns folgend, tat ich nicht das Naheliegende. Statt auf „Ablehnen“ klickte ich auf „Gewinn annehmen“.

In den folgenden Tagen begann ich motivationstechnisch zu schwächeln; vor allem, als ich niemanden fand, der diesen Gewinn mit mir teilen und mich zu den Schlagerschwestern begleiten mochte (eigentlich keine Überraschung, denn ich habe geschmackssichere Freunde).

Nach der Devise „Ein Mann, ein Wort“ machte ich mich am Stichtag auf den Weg ins CCH. Und hatte erst mal Glück (dachte ich zumindest): Ich verpasste den Beginn des Konzerts, da ich die Anfangszeit auf der TwoTickets-Gewinnbestätigung falsch gelesen hatte. Doch beim Überbrücken der Wartezeit in der Kneipe des Dammtorbahnhofes kam ich vom Regen in die Traufe: Dort lief 80er-Jahre-Britpop à la Bronski Beat, den ich fast so grässlich finde wie volkstümelnden Schlager.

Irgendwann half nichts mehr, die Hofmann-Frauen riefen. Verspätet schlich ich mich in Saal 2 des CCH und geriet mitten in eine der schlecht geschriebenen und hölzern heruntergeleierten Wohlfühlmoderationen von Alexandra (34) und Anita (30), die mit der aktuellen Tournee ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum zelebrieren. Und dabei sämtliche Klischees bedienen, die man schon bei „Musikantenstadl“ & Co. hassen gelernt hat.

Die Hofmanns lieben Deutschland („Wir waren in den letzten 20 Jahren viel auf Reisen – aber am schönschten isch es doch in unserem Heimatland!“) und können irre „komisch“ sein:

Alexandra: „Wir werden Ihnen spannende Einblicke in unserer Familienleben geben! Raten Sie mal, welches Buch Anita am liebsten liest?“ – Anita: „Ich liebe Harry Potter!“ – Alexandra: „Und sie hat sogar ein paar Tricks aufgeschnappt!“ Anita machte eine Zauberbewegung, und eine Leinwand rollte aus, auf der Heimfilmchen der Familien Hofmann gezeigt wurden. Eine Woge des Lachens schwappte durchs CCH, Applaus.

In dem Stil ging es geschlagene zwei Stunden weiter. Zum Glück brachten die Geschwister wenig eigenes Material, sondern verunstalteten „nur“ Klassiker von Can-Can (im Moulin-Rouge-Block) über „Ti Amo“ (im Canzone-Medley) bis „At the Hop“ (im kecken Rock’n’Roll-Tribut) – unterbrochen von zahlreichen Kostümwechseln, denn für diese Tournee hat Mutter Hofmann insgesamt knapp 200 Show-Ensembles geschneidert.

Begleitet wurden ihre Töchter von einer als Mini-Bigband angekündigten Frack-Formation, die aber streckenweise eher wie ein Zirkusorchester klang (vor allem bei der Disco-Version von „Kein schöner Land“). Als ob das noch nicht reichte, schwangen auch noch Mitglieder des „MDR Deutsches Fernsehballett“ das Tanzbein (die heißen wirklich so) – allen voran Serguei und Denys mit eingefräst-debilem Dauergrinsen.

Zum Schluss gab’s einige der größten Geschwister-Hits, zum Beispiel den unwiderstehlichen Mitmach-Gassenhauer „Werner“ („Wer hat Feuer im Blick und Musik im Blut? DER WERNER! / Wer macht alles mit Leidenschaft, was er tut? DER WERNER!“). Heißa, da wurde flott mitgesungen und –geschunkelt (außer in Reihe 12, Platz 3).

Dass da doch noch etwas mehr ist, als Anita und Alexandra bislang im CCH gezeigt hatten, wurde deutlich, als die beiden die 15 Instrumente auffuhren, die sie mehr oder weniger beherrschen – etwa Trompete, Alphorn, Xylophon, Klavier, Gitarre, Harfe, und Saxophon. War natürlich klar, dass sie damit nur altbekannte Weisen spielten, die das mittlerweile eingelullte Publikum nicht zu verunsichern drohten.

Wie ich den Altersschnitt im CCH beschreiben würde? Nun ja, ein älteres Ehepaar in der Autogrammstundenschlange vor dem Merchandising-Stand meinte nach fünf Minuten des Wartens: „Hoffentlich kommen die bald - viele hier können doch nicht mehr so lang stehen!“

Für mich war der Abend eine denkwürdige Erfahrung, bei der ausnahmsweise mal sämtliche Vorurteile bestätigt wurden. Aber bei der nächsten Mutprobe heißt’s dann doch lieber wieder „Hühnerfuß, Hochseil und Hubschrauber“ (schöner Titel für eine RTL-II-Reportage!). Vielleicht lasse ich mich beim Füßeknabbern auf dem Seil vom Helikopter hochziehen. Ist bestimmt angenehmer als Volkstümeln im CCH …

Geschwister Hofmann

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Flickenschildt in Hamburg

8. Februar 2008 by pjebsen

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Hamburg - Bars - Kneipen

Auf dem Nachhauseweg von einem weiteren zauberhaften Abend in meinem Lieblings-China-Restaurant Golden (Wartenau 4) ging ich zum ersten Mal nicht am Flickenschildt vorbei, sondern kehrte auf einen Absacker ein (kleines Krombacher für 2,20 Euro, aus dem dann wegen der netten Atmosphäre doch zwei wurden).

Manche der auch als negativ auszulegenden Bewertungen meiner „Vorschreiber“ stimmen. Das Flickenschildt ist definitiv „Old School“ und „urig“. So weit, die Kneipe ebenfalls als „oll“ und „muffelig“ zu bezeichnen, würde ich allerdings nicht gehen (u. a. deswegen, weil ich sie vor Inkrafttreten des Passivraucherschutzgesetzes nicht von innen erlebt habe).

Als ich vorhin dort einkehrte, war das Flickenschildt recht leer. Am Fenster saß ein älteres Pärchen, das um halb elf ein spätes Spiegelei-Abendessen zu sich nahm (er mit Weizen, sie mit Rotspon). An der Theke saß ein geringfügig jüngeres Paar (er mit Pils, sie mit Mineralwasser), das nett mit dem Wirt plauschte. Irgendwann kam aus dem Hinterzimmer ein englischsprachiges Paar, dem der Wirt in perfektem Englisch vier große Biere berechnete (drei für ihn, eins für sie). Kurz vor elf betraten die vom Wirt schon avisierten „Sportler“ die Gaststube; zwei Herren, die offenbar seit 58 Jahren in der Gegend kegeln.

Dies war eine halbe Stunde, in der sich mir dank des kommunikativen Wirts (der das Flickenschildt seit 20 Jahren betreibt) ein Großteil der Geschichte des Ladens erschloss. Er erzählte nämlich dem Tresenpaar von Emmy, einer Dame, die bis vor zwei Jahren und bis zum Alter von 86 bei ihm Kartoffeln gepellt hat (wahrscheinlich für die von den Vorschreibern erwähnten legendären Bratkartoffeln). In den 16 Jahren, in denen sie im Flickenschildt arbeitete, hat sie sich kein einziges Mal krank gemeldet – weil sie am Job hing. Und weil sie Angst vorm Alleinsein hatte – sowie, was wohl die Hauptsache war, vorm Sterben.

Laut der Schilderung des Wirts stand sie stets morgens um sechs auf, frühstückte gern mal im Wandsbeker Karstadt und lief dann im Mundsburg-Center herum, wo jeder Geschäftsinhaber sie kannte. Später am Tag schälte sie im Flickenschildt Kartoffeln und war stolz wie Bolle (wie die Berliner sagen), wenn ihr Stammgäste aus dem gegenüberliegenden Ernst-Deutsch-Theater (wie Thomas Fritsch und Judy Winter) Autogramme gaben und mit ihr schnackten. Ihr Ziel war, so wenig Zeit wie möglich allein zu Hause zu verbringen.

An ganz ruhigen Sommertagen, an denen niemand Bratkartoffeln essen mochte, ließ sie der Wirt deshalb trotzdem fünf Kilo schälen, die er am Ende des Tages wegwarf – weil ihr sonst zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen wäre. Ein böser Sturz beendete vor zwei Jahren ihre aktive Zeit im Flickenschildt.

Ich komme definitiv wieder (vielleicht irgendwann mal nach der Happy Hour in der Cocktrails-Bar im Mundsburg-U-Bahnhof ;-) ).

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Qype: WordCamp 08 in Hamburg

28. Januar 2008 by pjebsen

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Hamburg

Am Wochenende fand im Stilwerk das erste WordCamp statt, eine „Unkonferenz“ für Anwender der Blog-Software WordPress, die von Cem Basman aus Hamburg (sprechblase.wordpress.com, Qype) und Valentin Tomaschek aus Dublin (www.installmehere.net) initiiert wurde. Ein toller Start, an dem sich über 100 Blogger beteiligten.

Dank des Barcamp-Konzepts war Improvisieren angesagt: Am Samstag- und Sonntagmorgen einigte sich die versammelte Runde auf Vortrags- und Workshop-Themen, die je nach erwartetem Andrang auf verschiedene Stilwerk-Räume aufgeteilt wurden. Eine Nachlese findet ihr auf der WordCamp-Website und in vielen Blogs.

Mein persönliches Highlight war die Bloglesung „Hauptsache Geschichte“ mit dem auch als Qyper sehr geschätzten Herrn Paulsen, Merlix, Kid 37 und MC Winkel. Vier vollkommen unterschiedliche Autoren, von denen jeder auf seine Art zu überzeugen wusste: Paulsen mit einer herrlichen kulinarischen Kleingartengeschichte, Merlix mit Travemünder Erinnerungen, Kid mit autobiografisch präsentierten Absurditäten, und MC gab einfach den Winkel.

Zum gemeinsamen samstäglichen Abendbüfett im Oh It’s Fresh spielte eine Band mit dem schönen Namen Cpt. Stubing & the Loveboats (Freunde des US-„Traumschiffs“ werden ihn zu schätzen wissen), von der mir der Leadsänger (ein Ex-Kollege) immer mal wieder erzählt hatte, aber die zu hören ich jetzt zum ersten Mal das Vergnügen hatte.

Treffliche Selbstbeschreibung: „Cpt. Stubing intonieren überwiegend langsames Country-Songwriting-Liedgut über Männer, die ihre Familie verlassen, aber zuvor noch das Dach reparieren, über Kerle, die den Liebhaber ihrer Frau erschießen wollen, aber leider von diesem vermöbelt werden, und natürlich über die ekeligste Drohung, die ein verlassener Mann aussprechen kann: ,I’ll be waiting here for You’.“

Leider ebenfalls zutreffender Blog-Kommentar der Band zum Samstagabend: „Sagen wir es mal so: Die anwesenden Zuhörer haben sich gut unterhalten …“

Wer dem Käpt’n und den Loveboats mal aufmerksamer lauschen will, kann dies am 19. Februar (Hamburg, Music Club Live) und am 10. April tun (Hamburg, Club am Donnerstag).

Mein Beitrag zu WordCamp 08 - Ich bin PJebsen - auf Qype

Qype: Filmfest Hamburg GmbH in Hamburg

5. Oktober 2007 by pjebsen

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Hamburg - Nachtleben - Kinos

Für mich ist das Filmfest Hamburg eins der Highlights des Jahres. So sehr ich die kleinen, aber feinen Programmkinos wie Abaton, Metropolis und 3001 liebe - Kinofilme wirken in großen, technisch gut ausgestatteten Sälen wie denen im Grindel-UFA und im Cinemaxx einfach noch besser. Vor allem, wenn sie nicht durch Synchronisierungsversuche verstümmelt werden, sondern wie beim Filmfest in den Originalfassungen mit Untertiteln glänzen dürfen.

Neben den sporadischen Verspätungen hat mich in diesem Jahr nur eins genervt (aber dafür können die Veranstalter nichts): Dass es mittlerweile nicht nur in den Multiplexen dieser Welt, sondern immer häufiger auch bei Filmfestivals Asis gibt, die ihr Handy im Kino nicht ausschalten und, wenn sie angerufen werden (was der ganze Kinosaal dank eines neckischen, auf volle Lautstärke eingestellten Klingeltons mitbekommt), auch noch die Unverfrorenheit besitzen, den Anruf nicht schnellstmöglich wegzudrücken, sondern mit lautem Brüllen entgegenzunehmen. Solche KnalldeppInnen sollten auf Lebenszeit Festivalverbot erhalten. ;-)

Zum Programm: Leider habe ich in diesem Jahr nur drei volle Tage und zwei Abende mitnehmen können, wobei ich immerhin mehr als 20 Filme erlebt habe. Hier meine spontanen Notizen (plus Stern-Bewertung im Qype-Stil, in chronologischer Reihenfolge):

Im Reich des Bösen / The Empire of Evil **** (Regie: Mohammad Farokhmanesh, Deutschland 2007): Der Regisseur, ein gebürtiger Iraner und Wahlhamburger, porträtiert die Lebensrealität im Iran anhand von fünf ProtagonistInnen. Überraschend offen, und zumindest mit einem Hauch von Optimismus versehen.

Immer nie am Meer ***** (R: Antonin Svoboda, Österreich 2007): Das österreichisch-deutsche Kabarettistenduo Stermann & Grissemann und Heinz Strunk von der Comedy-Truppe Studio Braun sind nach einem Unfall tagelang im Auto gefangen. Fängt lustig an, ist bitterbös und schwarzhumorig im Abgang.

The Rebirth / Ai no Yokan ** (R: Masahiro Kobayashi, Japan 2007): Ein Mann und eine Frau sind durch einen Schicksalsschlag verbunden, reden aber nie miteinander. Auch nicht ein Jahr später, als sie gemeinsam, aber unabhängig voneinander in einer anderen Stadt beim selben Arbeitgeber landen. Dieses Nichtreden dokumentiert der Film quälende 102 Minuten lang.

Jennas Kuchen - Für Liebe gibt es kein Rezept/Waitress ***** (R: Adrienne Shelly, USA 2007): Charmante Liebeskomödie um die Kellnerin und Kuchenkünstlerin Jenna (Keri Russell).

Lost in Toyko / Tokyo shikkaku (R: Kotaro Ikawa, Japan 2007): Bei bewusst ausgesuchten Filmen verliere ich selten die Geduld. Dieser war jedoch in den ersten 15 Minuten so banal-geschwätzig und wegen des zatterigen Beta-SP-Bildes so mühsam anzuschauen, dass ich ins nächste Kino wechselte. Den Streifen per Namensgebung in die Nähe von “Lost in Translation” zu rücken, ist übelster Etikettenschwindel.

Who Loves the Sun **** (R: Matt Bissonnette, Kanada 2007): Frisches, witziges Dreiecksdrama.

Shak De India **** (R: Shimit Amin, Indien 2007): Hätte ich mir statt “Who Loves the Sun” gegeben, wenn ich SDI nicht schon im Bollywood-Kino Himalaya Palace in Southall/Middlesex gesehen hätte ;-) .
Bollywood-Megastar Shahrukh Khan spielt einen abgehalfterten Hockeytrainer, der die indische Damennationalmannschaft gegen den Willen der bösen Funktionäre zur Weltmeisterschaft führen will. An dem Film hat mich als Bollywood-Fan nur gestört (lacht jetzt bitte nicht!), dass er gänzlich auf Gesangs- und Tanzszenen verzichtet.

Flawless - ein tadelloses Verbrechen **** (R: Michael Radford, Großbritannien/Luxemburg 2007): Der großartige Michael Caine und Demi Moore in der x-ten, aber gleichwohl unterhaltsamen Variante der Gaunerkomödie Marke “Der perfekte Raub”.

The Mugger / El asaltante ** (R: Pablo Fendrik, Argentinien 2007): Ein sympathischer älterer Herr raubt zwei Schulen aus und rennt dann bis zum Ende des Films durch die Stadt.

Forfeit **** (R: Andrew Shea, USA 2007): Dreckiger, auf Digi Beta gedrehter Gangster-Thriller aus Los Angeles, aber fernab von Hollywood. Mit Sherry Stringfield (”E.R.”).

Underdogs ***** (R: Jan Hinrik Drevs, Deutschland 2007): Harter Knasti (Thomas Sarbacher) nimmt durch ein Resozialisierungsprogramm zur Ausbildung von Blindenhunden menschliche Züge an. Sehr sehenswert, da “Underdogs” die Effekthascherei umschifft, die bei einem Film über süße kleine Hunde, harte, aber herzliche Knackis und eine attraktive Gefängnisdirektorin möglich gewesen wäre.

Moonpie **** (R: Drake Doremus, USA 2007): Zwei Darsteller aus der US-Comedy-Serie “MAD TV” (hierzulande auf RTL zu sehen) spielen einen Schuldirektor und eine Lehrerin, die gemeinsam aus dem Alltagsfrust ausbrechen. Ein noch nicht wirklich ausgereiftes Regiedebüt, das aber mit einigen Glanzlichtern punkten kann - z. B. mit der zwischen entspannt-lakonisch und amerikanisch-exaltiert schwankenden Komödiantenkunst der Hauptdarsteller.

God Grew Tired of Us ***** (R: Christopher Dillon Quinn und Tommy Walker, USA/Kenia 2007): Bewegende Doku über “Lost Boys” aus dem Sudan, die durch den Bürgerkrieg zu Waisen wurden, jahrelang in Flüchtlingslagern vegetierten und in den USA ein neue, wenn auch extrem fremde Heimat fanden. Koproduziert von Brad Pitt, mit Nicole Kidman als Off-Erzählerin.

Manual of Love 2 **** (Following Chapters) / Manuale d’amore 2 (Capitoli Successivi) (R: Giovanni Veronesi, Italien 2007): Vier witzige und gleichzeitig anrührende Episoden über Liebesfreud und Liebesleid. In Italien ein verdienter Kassenschlager.

13m² *** (R: Barthélemy Grossmann, Frankreich 2007): Gangsterthriller (drei Kleinkriminelle wagen den großen Coup …) und Psychodrama (… und müssen sich danach auf 13 Quadratmetern verstecken) in einem.

Temporary Release / Ledsaget udgang **** (R: Erik Clausen, Dänemark 2007): Dänischer Kinohit über den eintägigen Knasturlaub des Mittfünfzigers John (wunderbar gespielt vom Regisseur/Autor), der sich mit dem begleitenden Sicherheitsbeamten kabbelt.

On the Wings of Dreams / Swopnodanay **** (R: Golam Rabbany Biplob, Bangladesch 2007): In einer Second-Hand-Hose gefundene ausländische Geldscheine versetzen ein Dorf in Nord-Bangladesch in Aufruhr.
Für mich einer der heimlichen Favoriten des Filmfests: “Swopnodanay” ist das Regiedebüt eines Cineasten aus Bangladesch, der als Hauptdarsteller den populären Sänger Mahmuduzzaman Babu gewinnen konnte. Man sieht dem Streifen mit seinen schönen Bildern und ausdrucksstarken Gesichtern nicht an, dass er ein Erstlingswerk ist, bei dem nicht nur einige der Laiendarsteller, sondern auch Teammitglieder erst während der Dreharbeiten lernten, wie man einen Kinofilm dreht.
Der Regisseur saß heute bei einem anderen Film neben mir und erzählte mir, dass ein deutscher Verleih die Weltrechte an “Swopnodanay” habe - kann also sein, dass man das Werk auch nach dem Filmfest Hamburg noch mal in Deutschland zu sehen bekommt.

The Milky Way / A Via láctea ** (R: Lina Chamie, Brasilien 2007): Laut Programmheft sollen in Cannes “die hitzigen Dialoge des Liebespaars als ‘lateinamerikanische Antwort auf Woody Allen’ gelobt” worden sein. Ich fand den Film nach den ersten “hitzigen” 10, 20 Minuten einfach nur ermüdend.

A Schoolgirl’s Diary / Han Nyeohaksaengeui Ilgi * (R: Jang In-hak, “Demokratische” Volksrepublik Korea 2007): Diesmal stimme ich dem Cannes-Report des Programmhefts zu: >> Bei der Premiere in Cannes zog die Presse das Fazit: “Stets offen propagandistisch, doch auf befremdliche Weise ehrlich, erinnert ‘A Schoolgirl’s Diary’ manchmal an ‘The Sound of Music’ oder ein stalinistisches Musical aus den 30ern. <<
Wobei man im Gegensatz zu TSOM & Co. bis kurz vorm Schluss keine Ahnung hat, was uns der (Drehbuch-)Autor mit den gestelzt konstruierten Szenen und gekünstelten Dialogen eigentlich sagen will.
Diktator (und Filmfan) Kim Jong-il soll bei Drehbuch und Schnitt “beratend” eingegriffen haben. Sollte das stimmen, kann ich mir sehr gut vorstellen, welche der besonders schmalzigen und propagandistischen Passagen auf sein Konto gehen. Wenn man nicht (wie ich) auch Trash etwas abgewinnen kann, ist der Film völlige Zeitverschwendung.

Ezra **** (R: Newton I. Aduaka, Frankreich/Nigeria/Österreich 2007): Arte-Produktion über einen Kindersoldaten und die Aufarbeitung seiner Taten vor der staatliche Kommission für „Truth and Reconciliation” (”Wahrheit und Versöhnung”). Stark, passioniert, verstörend.

A Man’s Job / Miehen Työ **** (R: Aleksi Salmenperä, Finnland 2007): Arbeitsloser wird aus Versehen zum Callboy. Humorvoll-melancholisch.

Jellyfish *** (R: Shira Geffen und Etgar Keret, Israel/Frankreich 2007): Vielleicht war ich am Ende des Filmfest-Marathons zu groggy, aber ich fand den Abschlussfilm des Filmfests 2007 (eine Tragikomödie, die in Cannes die “Caméra d’Or” für den besten Debütfilm gewonnen hat) nicht wirklich spannend.
Am bemerkenswertesten war für mich hinterher der Auftritt von Regisseur Etgar Keret, der hauptberuflich Schriftsteller ist. Seinen Regiejob bekam er, nachdem er im Gespräch mit seiner Frau, der Drehbuchautorin Shira Geffen, seinen Frust darüber rausließ, dass niemand ihr tolles Drehbuch verfilmen wollte. Er sagte daraufhin: “Dann muss ich wohl Regie führen.” Sie: “Aber du hast doch keine Ahnung davon.” Er: “Habe ich doch!” ;-)
Der Film, der visuell sehr ansprechend gestaltet ist und hervorragende Schauspielerleistungen bietet, beweist, dass Keret Recht hatte … auch wenn ich das am letzten Filmfest-Abend nicht so recht zu schätzen wusste. ;-)

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